Marathon Frankfurt

 

Helmut Schaake. Frankfurt. Viele Hoffnungen auf eine Marathon Bestzeit wurden am Sonntagmorgen in der Mainmetropole Frankfurt vom Winde verweht. Schon die Wettervorhersagen verhießen nicht Gutes und so war es für die 15513 Starter bei der 36.Auflage des Mainova Frankfurt Marathons ein harter Kampf gegen den Wind. Die Ausläufer des orkanartigen Sturmtiefs „Herwart“ sorgten für einen ständigen Zweikampf zwischen Rücken- und  Gegenwind, sodass ein gleichmäßiges Laufen  durch die Hochhausschluchten kaum möglich war. Der ständige Rhythmuswechsel kostete vor allem auf der zweiten Streckenhälfte viel Kraft. Nicht nur die Eliteläufer, vor allem auch die vielen Breitensportler, unter ihnen rund 200 Aktive auf dem Landkreis Marburg-Biedenkopf,  litten unter den Naturgewalten und blieben gut 3-4  Minuten unter ihrem Leistungsvermögen. So war es in Anbetracht der schwierigen Witterungsverhältnisse auch nicht verwunderlich, dass im Ziel in der Festhalle viele gezeichnete und enttäuschte Gesichter sah.

 

Der Marathonlauf in Zahlen

 

Die offiziellen Teilnehmerzahlen: 14 513 Marathon, 7484 Staffel, 2072 Minimarathon, 1428 Brezellauf, 985 Struwwelpeter-Lauf. Insgesamt waren rund 26 500 Athleten am Rennwochenende am Start.

 

Heinrich Hof, Foto: H. Schaake
Heinrich Hof, Foto: H. Schaake

 

Seiner Favoritenrolle wurde Oliver Hoffmann (TSV Kirchhain) mit dem Titel bei den gleichzeitig durchgeführten Hessenmeisterschaften gerecht. Am Ende war es auf der langen Zielgeraden zur Messehalle nur noch großer Kampf. „Das Einzige, was mich aufrecht hielt,  war, dass ich bei Kilometer 38 noch zur führende Frau, der Olympiasiegerin und 5000/10000m Weltmeisterin Vivian Jepkemoi Cherulyot  auflaufen und ihr mit 2:23:12 zu 2:23:35 Stunden noch deutlich das Nachsehen geben konnte. Nach eigentlich vorsichtigem Beginn in der ersten Hälfte in 1:10:07 Stunden büßte ich auf dem Rückweg fast drei Minuten ein und so habe ich die Hoffnung auf eine Bestzeit, die ich eigentlich im Visier hatte, auf nächste Jahr verschoben. Mit Platz acht bei den Deutschen Meisterschaften kann ich aber zufrieden sein. Der Tank auf der Zielgerade war leer, aber auf Reserve habe ich das Ziel in der Festhalle erreicht,“ meinte Oliv er Hoffmann im Gespräch. 

Erneut eine ganz starke Vorstellung gab die zierliche Anna Starostzik  (PSV GW Kassel), die mit ihrem Fliegengewicht vom Wind so richtig durchgeschüttelt wurde. Sie stand in den letzten Jahren beim Frankfurt Marathon immer bei den gleichzeitig ausgetragenen Hessenmeisterschaften mit auf dem Podest, so auch  in diesem Jahr, wo sie sich den Bronzeplatz sicherte. Unschlagbar war bei ihrem Heimspiel  die Frankfurterin Katharina Heinig (LG Eintracht Frankfurt) als Deutsche und Hessenmeisterin in EM-Norm von 2:29:29 Stunden. Dahinter lief die Debütantin Laura Hottenrott (GSV Eintracht Baunatal) in 2:34:43 Stunden ein Superrennen. Mit den erzielten 2:49:37 Stunden und ihrem  dritten Platz war Anna Reuter sehr zufrieden. Sie belegte außerdem bei den Deutschen Platz 10 und stand mit der Mannschaftswertung auf dem Podium auf Platz drei. Vor dem Start beklagte sie sich noch über starke Halsschmerzen, sodass ihre letztjährige Bestzeit von 2:47:36 Stunden unter diesen widrigen Bedingungen nicht zu toppen war. Viel vorgenommen hatte sich auch der aus dem Triathlonlager stammende Mardorfer Heinrich Hof (SF Blau-Gelb Marburg), denn er wollte seine letztjährige Frankfurter Bestzeit von 2:54:24 Stunden unter bieten. Dementsprechend  rasant ging er auch das Rennen an und hatte eine Halbmarathon Durchgangszeit von 1:22:43 Stunden. Doch wie jeder Insider weiß, der Marathon fängt erst richtig jenseits der 35-Kilometer-Marke richtig an.  Auf der Mainzer Landstraße schwanden erwartungsgemäß die Kräfte und so büßte er  auf dem Rückweg fast acht Minuten ein, dennoch konnte er mit einer neuen Bestzeit von 2:53:45 Stunden als  23. in Hessen und als 4. in der Seniorenklasse M40 in die Festhalle einlaufen. Für Daniel Schäfer (SV Emsdorf) zahlte sich der Trainingsfleiß der letzten Monaten mit vielen Laufkilometern auf den Radwegen aus. Er unterbot  mit 2:58:06 Stunden die magische 3-Stunden-Marke. Diese verpasste der Stadtallendorfer Simon Weitzel mit 3:00:58 Stunden /Platz 1015 ganz knapp. Im Seniorenbereich glänzte einmal mehr Dr. Günther Scheibehenne (STC Hommertshausen). Der  69-Jährigensicherte sich nach bemerkenswerten 3:29:59 Stunden Platz  drei in Hessen in der Seniorenklasse M65. Seine einmalige Erfolgsgeschichte setzte  der 80-jährige Klemens Wittig (LG Dortmund), der erst kürzlich in Wetter einen neuen Deutschen und Europarekord über 10 000 Meter aufgestellt hatte auch im Marathonlauf mit 3:39:54 Stunden in der M80 fort.

Schnellste heimische Frau Dorothee Rogosch (SF Blau-Gelb Marburg) mit Bestzeit.

Dorothee Rogosch, Foto:H. Schaake
Dorothee Rogosch, Foto:H. Schaake

 

Für Dorothee Rogosch (SF Blau-Gelb Marburg) ähnelten sich 200 Meter vor der Festhalle die Bilder des letzten Jahres. Damals hatte die Kinderärztin aus Bauerbach  nach 3:13:43 Stunden das Ziel erreicht. In diesem Jahr freute sie sich nach  zwei exakt gleichmäßigen Hälften über eine neue Bestzeit von 3:12:33 Stunden und Platz zwei in der Hessenwertung der W35. Sie schwärmte auch noch am nächsten Tag trotz des Muskelkaters: „Der Zieleinlauf in der Festhalle unter dröhnendem Applaus ist der absolute Wahnsinn.“ Und auch sie und so manch anderer, der  vom Marathon-Virus infiziert ist, schmieden schon die nächsten Pläne für den Hamburg Marathon im Frühjahr.

 

Das Staffelrennen mit insgesamt 1730 Staffel (6920), bei dem sich 4 Personen die 42,195 Meter teilen, gewann das Team Run With The Flow in 2:17:28 Stunden vor den Vorjahressiegern, den ASICS Front Runners 2:19:30Stunden. Die Feuerwehrsportmannschaft Ebsdorfergrund I belegte nach 3:17:24 Stunden Platz  52 während  die Marathon-Staffel des SV Emsdorf nach 3:19:54 Stunden belegte Platz 54 erreichte.

 

Über 1850 Starter beim Minimarathon:

 

Frankfurt bietet auch dem Nachwuchs beim Minimarathon, wo Kinder und Jugendliche zwischen 8 und 16 Jahren ein Zehntel der Marathonstrecke bewältigen, ein großes Laufevent . Wie die  Großen erleben sie den einmaligen Zieleinlauf in der Festhalle mit Gänsehautatmosphäre. In diesem Jahr finishten hier knapp 1100 Jungen und 770 Mädchen. Es siegten wie schon im letzten Jahr der Hessenmeister Sasha Müller (SSC Hanau-Rodenbach) in 14:22 Minuten und Larissa Löb (Worms),  beide M/W16 in 16:00 Minuten. Schnellste heimische Starterin in diesem großen Feld war auf Rang 22. Sophie Joedt (ASC Breidenbach(Lahntalschule) als gute 6.der U14 in 18.12 Minuten.