DM Erfurt 2017

Bei den Deutschen Meisterschaften in Erfurt ging es nicht nur um Gold, Silber und Bronze, sondern auch um die Tickets zur WM in London

Hitzeschlacht über 5000 Meter

Helmut Schaake. Für die meisten Leichtathleten sind die Deutschen Meisterschaften der Frauen und Männer, die am Wochenende im renovierten Steigerwald-Stadion in Erfurt ausgetragen wurden, der Höhepunkt.

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Christina Hering (LG Stadtwerke München)
Siegerin 800 Meter (2:04,05 min)
800 m, Frauen

1. Christina Hering | LG Stadtwerke München | 2:04,05 min
2. Tanja Spill | LAV Bayer Uerdingen/Dormagen | 2:05,37 min
3. Mareen Kalis | LG Stadtwerke München | 2:06,29 min


 

Nach dem Vorlaufsieg in 2:08,82 Minuten war für die Titelverteidigerin Christina Hering (Vorjahr 2:02,19 Minuten) schon im Vorfeld die Verunsicherung da, doch der Versuch, hier nochmals die WM-Norm anzugreifen, war es wert, nachdem sie bereits seit Mai eine 2:01,35 Minuten zu Buche stehen hat.. Aber sosehr sie sich die lange aufgewachsen schlanke Vorjahressiegerin auch  bemühte, im Finale dem Feld gleich deutlich zu enteilen, spätestens nach der 400- Meter-Marke in 60,55 Sekunden/600m 82,79 sec  war die WM Norm von 2:01 Minuten schon außer Reichweite. Irgendwie sah das ganze Rennen auch vom Laufstil, den man von ihr aus den zurück liegenden Jahren kennt, nicht so rund aus. Im letzten Jahr wurde sie auch noch von Fabienne Kohlmann (LG Karlst.G./L.) getrieben, jetzt war sie alleine auf weiter Flur. „Mein Fernziel ist  die Universiade in Taipeh. Darauf werde ich hin trainieren, aber in zwei Tagen stehe ich schon wieder  in Luzern am Start und hoffe hier auf starke Konkurrenz.“ Der Silberplatz ging in Saisonbestzeit an Tanja Spill (LAV Bayer Uerdingen/Dormagen) in 2:05,37 Minuten, Bronze an Maren Kalis ( LG Stadtwerke München) in 2:06,29 Minuten

 

 

Benedikt Huber (LG Telis Finanz Regensburg)
Sieger 800 Meter (1:48,21 min)
800 m, Männer

1. Benedikt Huber | LG Telis Finanz Regensburg | 1:48,21 min
2. Jan Riedel | Dresdner SC 1898 | 1:48,24 min
3. Kevin Stadler | LAC Erfurt | 1:49,01 min

 

 

 

„Mit der Titelverteidigung bin ich sehr zufrieden,“ sagte Benedikt Huber(LG Telis Finanz Regensburg), „vor allem mit dem Rennverlauf auf die letzten 100 Metern. Da musste ich schon alles geben, um auf den letzten Meter, die Brust vorne zu haben.“ In einem Wimpernschlagfinale zog er mit letzter Kraft von Platz 5 ganz außen laufend, weil innen alles dicht war, noch an allen vorbei. Wie knapp das Ganze  war, zeigte dann das Zielfoto (siehe Bilder) . Nach  1:48,21 Minuten holte er sich  mit 3/10 Sekunden gegen den mächtig mitgehenden Jan Riedel (Dresdner SC 1898) und den heimischen Kevin Stadler (LC Erfurt/1:49,01min.) den Titel. Der große Favorit Marc Reuther (Wiesbadner LV), mit der Jahresbestzeit von 1:45,22 Minuten  und der WM Norm schon in der Tasche, fehlte.

 

Konstanze Klosterhalfen (TSV Bayer 04 Leverkusen)
Siegerin 1.500 Meter (3:59,58 min)

1.500 m, Frauen

1. Konstanze Klosterhalfen | TSV Bayer 04 Leverkusen | 3:59,58 min
2. Diana Sujew | LG Eintracht Frankfurt | 4:10,71 min
3. Julia Kick | LG Telis Finanz Regensburg | 4:10,90 min

 

Jetzt heißt es, gesund zur WM nach London fliegen und hier mit den ganz Großen mitzuhalten.

In einem Sturmlauf siegte die „ Sternschnuppe“ der Deutschen Laufszene Konstanze Klosterhalfen (TSV Bayer 04 Leverkusen) über 1.500 Meter. Mit welch Lockerheit die 20-Jährige die Rennen bestreitet, ist mehr als beeindruckend. Ob von der Spitze weg oder hier im Finale, wo sie sogar die erste Runde abwartete, um dann der Konkurrenz nicht den Hauch einer Chance zu geben, es ist immer  sehenswert. Im Finale überließ sie erst einmal Diana Sujew (LG Eintracht Frankfurt) auf den ersten 400 Metern in 65,68 Sekunden die Spitze, um sich danach mit nur wenigen schnellen Schritt vom Feld zu verabschieden. 800 Meter durchlief sie in 2:10,38 Minuten, die 1200 Meter in 3:12,97 Minuten und blieb nach dem Diamond League-Meeting in Rom (3:59,30 Minuten) erneut mit 3:59,58 Minuten unter der Vier-Minuten-Marke. Dabei konnte sie den 40 Jahre alten Meisterschaftsrekord von Jane Merrill (USC Mainz/ 4:06,5 min) pulverisieren. Über 10 Sekunden später dahinter auf dem  Silberplatz  lief Diana Sujew in 4:10,71 Minuten, dicht gefolgt von Julia Kick (LG TELIS Finanz Regensburg) 4:10,92 und 2/100 Sekunden dahinter Elena Burkard (LG farbtex Nordschwarzwald) mit persönlichen Bestzeiten.

 

Timo Benitz (LG Farbtex Nordschwarzwald)
Sieger 1.500 Meter (3:38,77 min)
1500m Männer:

1. Timo Benitz | LG farbtex Nordschwarzwald | 3:38.77 min
2. Homiyu Tesfaye | LG Eintracht Frankfurt)    | 3:40.09 min
3. Marcel Fehr | SG Schorndorf 1846 |  3:40.49 min

 

Es war ein Sieg mit Ansage. Timo Benitz (LG Farbtex Nordschwarzwald) hatte schon vorher angekündigt: „Ich fahre nach Erfurt, um zu gewinnen, auch gegen den Jahresschnellsten Homiyu Tesfaye (LG Eintracht Frankfurt). Auf meinen Endspurt kann ich mich verlassen.“ So kam es dann auch. Homiyu Tesfaye versuchte alles, um sich von seinem Windschatten zu lösen und macht höllisch Druck. Aber schon auf der Gegengeraden drehte er sich verunsichert nach hinten um. So kam dann auch auf der  Zielgeraden auf den letzen 80 Metern die Attacke.  Timo Benitz verkürzte seinen Schritt, um in den Finalen- Sprint zu kommen, hatte sofort einen sicheren Vorsprung und siegte in 3:38,77 Minuten gegen den auf den letzten 20 Meter rezensierenden Homiyu Tesfaye in 3:40,09 Minuten. Der Bronzerang  ging an den 5000-Meter Spezialisten Marcel Fehr (SG Schondorf1846) in Saisonbestzeit von 3:40,49 Minuten. Im Ziel sagte dann Timo Benitz: „Das war ja heute einfach. Es galt nur dranbleiben. Homiyu Tesfaye wollte mich mit seinem Tempolauf zermürben und ich wusste, ich kann mich auf meinen Spurt verlassen.Ich war vom Kopf her auf jede Rennsituation eingestellt.“   

 

Tim Stegemann (LAC Erfurt)
Sieger 3.000 Meter Hindernis (8:43,40 min)

Das mit Spannung erwartete 3000-Meter-Hindernisrennen zwischen Lokalmatador Tim Stegemann (LAC Erfurt) und Martin  Grau (LSC Höchstadt/Aisch)  entwickelte sich zu Gunsten der begeisternd mitgehenden Zuschauer.  Es war von Anfang an klar, dass es ein taktisches Rennen wird. Martin (Grau) trat  600 Meter  vor dem Ziel noch einmal richtig an. Tim Stegemann versuchte,  nur dran zu bleiben und zuletzt war es nur noch Kopfsache. Stegemann wurde auf der Zielgaraden von seinen Fans förmlich ins Ziel geschreien. „Ich musste hier gewinnen,“ sagte er anschließend . Am Ende waren es nach 8:43.40 Minuten exakt 2/100 Sekunden, die er vor Martin Grau lag. Dieser meinte: „ich habe alles versucht, aber ich gönne Tim den Titel.“  Farbian Clarkson (SSC Berlin) belegte in diesem dramatischen Finale den 3. Platz in 8:46,34 Minuten. 

 

Richard Ringer (VfB LC Friedrichshafen)
Sieger 5.000 Meter (14:15,90 min)
5.000 m, Männer

1. Richard Ringer | VfB LC Friedrichshafen | 14:15,90 min
2. Simon Boch | LG Telis Finanz Regensburg | 14:21,41 min
3. Philipp Baar | ART Düsseldorf | 14:27,04 min

 

10 Runden anlaufen, um dann 1000 Meter in 2:31 Minuten zulaufen.

Es war das schlechteste Meisterschaftsergebnis der letzten 10 Jahre und daran war nicht nur die Hitze schuld. Nach 3 Minuten für den ersten Kilometer wurde laut von den Zuschauerrängen gepfiffen. In einem typischen Meisterschaftsrennen, in dem sich das 16 Teilnehmer starke Feld um die Bahnen mühten, wollte keiner vorne so richtig Tempo machen und der Favorit blieb am Ende des Feldes. Tobia Schreindl  führte das Feld bei Kilometer 2 nach 5:54 Minuten an, bevor er sich langsam steigerte. So richtig schnell wurde es erst nach Kilometer 4 in 11.44,62 Minuten. Auf einmal ging dann auch der Top-Favorit Richard Ringer (VfB LC Friedrichshafen) mit der Saisonbestzeit von 13:22 Minuten,  die WM Norm schon in der Tasche,  an die Spitze  und bei seinem Steigerungslauf wurden für die letzten 1000 Meter 2:31 Minuten gestoppt. Als er dann auf den letzten 500 Metern mit  seinem langen Schritt auf 400-Meter-Tempo beschleunigte und die  letzten Runden  in sensationellen 53 Sekunden (52,99sec.) hinknallte, waren die Zuschauer wieder zufrieden. Für Ringer war es der vierte Titel in Folge. Platz zwei erkämpfte sich Simon Boch (LG Telis Finanz Regensburg/14:21,41 min.) gefolgt von Philipp Baar (ART Düsseldorf) /14:27,04min.). Olympiasieger Dieter Baumann lief vor 20 Jahren mit 13:19,08 Minuten Meisterschaftsrekord.  Vor über 40 Jahren musste man in manchen Jahren im Vorlauf unter 14 Minuten laufen, um überhaupt ins Finale zu kommen. Hier sollte sich der DLV Gedanken machen, um der Langstrecke wieder Wertschätzung entgegenzubringen, vom Zeitplan einmal ganz abgesehen. Das 100-Meter-Finale war um 19.35 Uhr, in Erfurt war wie auch in  Kassel 2016  die Startzeit für die Langstrecke um 17.55 Uhr. 


Gesa Felicitas Krause (Silvesterlauf Trier)
Siegerin 3000 Meter –Hindernis (9:25,81 min)

3000 m Hindernis, Frauen

1. Gesa Felicitas Krause | Silvesterlauf Trier | 9:25,81 min
2. Jana Sussmann | LT Haspa Marathon Hamburg | 9:57,59 min
3.
Cornelia Griesche | LG Telis Finanz Regensburg | 10:12,59 min

 

 

Noch mehr strahlen konnte Gesa Felicitas Krause (Silvesterlauf Trier) nicht.  Nach ihrem Alleingang gegen die Uhr über 3000-Meter-Hindernis in Meisterschaftsrekordzeit von 9:25,81 Minuten lief sie sofort zu ihrem Trainer Wolfgang Heinig und zu ihrem Freund zur Tribüne, um sich die  Glückwünsche abzuholen. „Das Rennen war ja schneller als bei der Team –EM in Lille, und es sollte hinten raus als Steigerung  richtig schnell werden. Jetzt denke ich schon an den Sonntag. Da will ich  noch die 5000 Meter als spontane  Entscheidung in Angriff nehmen. Hier will ich mich noch mal mich richtig ausbelasten und nächste Woche  eine lockere Woche einlegen,“ so ihr Statement. Groß war der Abstand dahinter zu Jana Sussmann (LT HM Hamburg), die mit 9:57,29 Minuten auf dem Silberplatz kam, und Cornelia Griesche (LG TELIS FINANZ Regensburg), die mit 10:12,59 Minuten auf dem Podest Platz drei einnahm. 

 

 

 

Gesa Felicitas Krause (Silvesterlauf Trier)
Siegerin 5.000 Meter (16:20,10 min)
5.000 m, Frauen

1. Gesas Felicitas Krause | Silvesterlauf Trier | 16:20,10 min
2. Hanna Klein | SG Schorndorf 1846 | 16:20,24 min
3. Corinna Harrer | LG Telis Finanz Regensburg | 16:27,34 min

 

Es wurde ein 5000-Meter-Rennen, das am Ende die Zuschauer von den Sitzen riss. Brust an Brust liefen Gesa Felicitas Krause (Silvesterlauf Trier) und Hanna Klein (SG Schorndorf 1846), die beide schon für die WM nominiert sind, auf die Zielgerade und spurteten, was die Beine hergaben. Am Ende hatte Gesa Krause nach 16:20,10 zu 16:20,24 Minuten gegen die erwartet sprintstarke Hanna Klein(1500m Saisonbestzeit 4:06,91 Minuten) ihren ersehnten zweiten DM Titel sicher. Wie schnell das Rennen hinten wurde, lässt sich am Besten in Zahlen auszudrücken: Die letzten 1000 Meter in 2:50 Minuten,   aber vor allem die letzten Runde in 61,7 Sekunden, das sagt dazu alles.  Ganz stark war das Comeback von Corinna Harrer (LG TELIS FINANZ Regensburg), das ihr viele Insider nach dem Verletzungspech der letzten Jahren nicht mehr zugetraut hatten. Sie blieb bis 300 Meter vor Schluss bei den beiden Führenden auf den Fersen und wurde nach 16:27.34 Minuten mit Bronze belohnt Damit  meldete sie sich eindrucksvoll zurück.

Helmut Schaake